Gynäkologische Psychosomatik
1. Was bedeutet
gynäkologische Psychosomatik?
Die
gynäkologische Psychosomatik bietet Frauen, die Erkrankungen an den weiblichen
Organen haben und in der Folge an seelischen und psychosozialen Belastungen
leiden, therapeutische Hilfe, Unterstützung und Informationen an. Die gynäkologische
Psychosomatik beinhaltet Brusterkrankungen, wie zum Beispiel Zustand nach
Brustkrebs oder Erkrankungen der Gebärmutter, wie zum Beispiel Zustand nach Gebärmutterentfernung
(Posthysterektomiesyndrom), Menstruationsbeschwerden, Endometriose etc. Auch
Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch oder nach Tod und Fehlgeburt können im
Rahmen der gynäkologischen Psychosomatik psychotherapeutisch begleitet und
behandelt werden. 2.
Warum haben Erkrankungen an weiblichen Organen häufig auch Auswirkungen auf
die
seelische Gesundheit von Frauen?
Viele
Körperorgane haben für Menschen, außer ihrer reinen Funktion, eine
symbolische Bedeutung, die als seelische Repräsentanz bezeichnet wird. So repräsentiert
beispielsweise unser Herz
Gefühle wie Liebe, das „gebrochene Herz“ Trauer, das „kalte Herz“ Gefühllosigkeit.
Menschen, die traurig sind, haben „Herzleid“.
Auch
die weiblichen Organe, wie Brust und Gebärmutter haben eine symbolische
Bedeutung, also eine seelische Repräsentanz, die in der gynäkologische
n
Psychosomatik berücksichtigt werden.
Die
weibliche Brust symbolisiert unter anderem die Fähigkeit von Frauen zu nähren,
zu stillen, zu geben, zu beruhigen, zu trösten - sie verkörpert also Mütterlichkeit,
Harmonie und Potenz. Die weibliche Brust versinnbildlicht auch Sexualität und
Erotik, Stolz, Kraft und Macht.
Die
Gebärmutter repräsentiert unter anderem Ursprung, Fruchtbarkeit, Schutz
gebende Höhle, Zyklus, Mütterlichkeit und ist zugleich Sexualorgan. Ist eine Frau an Brustkrebs erkrankt und muss operiert werden, so erleidet sie häufig außer Angst und der körperlichen Beschädigung einen seelischen Schaden wegen der oben genannten seelischen Repräsentanz der weiblichen Organe. Die seelische Beschädigung kann sich als Depression mit Hoffnungs- und Antriebslosigkeit ausdrücken. Die Depression kann mit Schlafstörungen und dauerhaften Erschöpfungsgefühlen einhergehen. Viele an Brustkrebs erkrankte Frauen haben ein Gefühl von Minderwertigkeit als Frau und eine tiefe Verunsicherung, die zu einer Störung der Partnerschaft und im gesamten sozialen Umfeld führen kann, bis hin zum Rückzug und zur sozialen Isolation.
Auch
die Beziehung zum eigenen Körper ist in der Folge der Erkrankung bei vielen
gestört und kann mit Ablehnung, Ekel und manchmal sogar Selbsthass einhergehen.
Auch
Frauen, die an der Gebärmutter erkrankt sind, zum Beispiel Myome haben oder Gebärmutterkrebs
und denen die Gebärmutter operativ entfernt wurde (Hysterektomie) entwickeln häufig
seelische Erkrankungen wie Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle,
Selbstzweifel und Verunsicherung. Den Verlust der Gebärmutter erleben viele
Frauen als einen Verlust ihrer Mütterlichkeit, die oft mit Frausein
gleichgesetzt wird. Es können (durch diese Depression) auch Beziehungsstörungen
und erlebte Störungen der Sexualität entstehen, die im Bereich der gynäkologischen
Psychosomatik bearbeitet werden können.
3.
Theoretischer Ansatz der therapeutischen Arbeit in der gynäkologische
n Psychosomatik
der Wicker-Klinik: In unserer Haltung gehen wir von einer positiven Definition der Frau und des weiblichen Körpers aus. Die seelischen Repräsentanzen der weiblichen Körperorgane und Funktionen verstehen wir als Stärken, Fähigkeiten, Potenzen und Ressourcen. Dies erklärt, warum Erkrankung und Eingriffe an den weiblichen Organen für viele Frauen oft verbunden sind mit existentiellen Verlust- und Todesängsten, mit dem Gefühl der Entwertung und mit dem imaginativen Verlust von Weiblichkeit und Depression. Berücksichtigt man die seelischen Repräsentanzen der weiblichen Organe, so ist die Verarbeitung eines Organverlustes, zum Beispiel bei Zustand nach Gebärmutterentfernung (Hysterektomie), immer mit notwendiger Trauerarbeit verbunden.
Auch
die Auseinandersetzung mit der Realangst nach Operationen von malignen Tumoren
und die Bearbeitung und Akzeptanz der körperlichen Veränderungen und Einschränkungen
sind Bestandteil der Therapie. Trauer um den Verlust der körperlichen Integrität,
aber auch Wut auf den Körper, Kränkung, Scham und Schuldgefühle finden Raum
in den therapeutischen Frauengruppen. Bei unerfülltem Kinderwunsch, nach
Fehlgeburten und dem Verlust eines Kindes, ist für viele Frauen neben der
Trauer die Bedeutung der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Mütterlichkeit
sehr wesentlich. Die Erarbeitung von Frauenbildern, die nicht allein am
Mutterbild fixiert sind, ist häufig Thema dieser Therapiegruppen in der gynäkologischen
Psychosomatik.
Ein
weiteres für Frauen oft schambesetztes Thema, besonders auch im Zusammenhang
mit Erkrankungen und operativen Eingriffen, ist die Sexualität. Durch die öffentliche
Diskussion und Darstellung von weiblicher Sexualität wurde ein Bild geschaffen,
das mit den realen Wünschen und Bedürfnissen von Frauen oft wenig zu tun hat.
Viele Frauen sind daher bezüglich ihrer Sexualität erheblich verunsichert und
gehemmt und entwickeln Selbstzweifel und Depressionen. Da die Wechseljahre bei Frauen in unserer Gesellschaft wie eine Krankheit betrachtet werden, leiden viele Frauen unter dem so genannten klimakterischen Syndrom (Wechseljahrsbeschwerden). Dies kann sich äußern als Unruhe, Hitzewallung, Schlafstörungen und mit Depressionen einhergehen.
In
der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik verstehen wir die
Wechseljahre (Klimakterium) als lebensgeschichtliche Schwellensituation wie die
Pubertät, in der eine Lebensphase in eine andere übergeht mit der Möglichkeit
eines Neuanfangs und der persönlichen Weiterentwicklung. Die Symptome der
Wechseljahre verstehen wir in der Wicker-Klinik als Körpermitteilungen und
Symbole. In der gynäkologische
n Psychosomatik verbinden wir sie mit Anregungen
für eine ressourcenorientierte Gestaltung der neuen Lebensphase. 4.
Behandlungssetting und Behandlungsmethoden
in der gynäkologische
n Psychosomatik:
Die
Behandlung und Betreuung erfolgt ausschließlich durch weibliche
Mitarbeiterinnen, da dies im Bereich der gynäkologische
n Psychosomatik bei
vielen Frauen die Schwellenangst vermindert.
In
den therapeutischen Frauengruppen werden traditionelle Theorien über das
seelische Erleben von Frauen hinterfragt und ein positiv definiertes Bild von
Weiblichkeit entgegengestellt. Im psychosozialen Bereich werden sowohl die
geschlechtsspezifische Sozialisation, frauenspezifische Konflikte,
beispielsweise zwischen Reproduktion und Berufstätigkeit mit Brüchen in der
Lebensgestaltung, ökonomische Schwierigkeiten und existierende Abhängigkeits-
und Machtverhältnisse berücksichtigt.
Neben
einer positiven Definition der Frau ist der Therapieansatz in der gynäkologische
n
Psychosomatik ressourcenorientiert und auf Progression hin ausgelegt.
Bei
der Aufnahme wird mit jeder Frau ein individueller Behandlungsplan, gemeinsam
mit der Psychotherapeutin und der behandelnden Ärztin, zusammengestellt.
In
der Wicker-Klinik bieten wir für Frauen im Bereich der gynäkologische
n
Psychosomatik folgende Therapiemethoden an:
Entspannungsverfahren:
In
der Gruppentherapie sowie auch in der Einzeltherapie geht es besonders um eine
ich-stärkende und progressive Haltung sowie um die Stärkung des weiblichen
Selbstbildes und weiblichen Selbstwertgefühls, auch im Zusammenhang mit dem
sozialen Umfeld. Die Einzeltherapie ist individuell für jede Frau und für ihre
Problematik zugeschnitten.
In
der gynäkologische
n Psychosomatik kommt ergänzend zu diesen Therapieverfahren
die Körper-/Bewegungstherapie hinzu. Der Ansatz ist die positive Besetzung des
erkrankten oder geschädigten Körpers und die Stärkung des weiblichen körperbezogenen
Selbstverständnisses. Der Körper kann wieder zum Ort handelnden Erlebens, von
Kreativität und Empfindungsfähigkeit werden. Bewegungen können wieder als
kraft- und lustvoll erlebt werden.
In
den verschiedenen nonverbalen Verfahren kann die Frau über verschiedene Wege
Zugang zu ihren Ressourcen und Gefühlen erlangen.
In
den verschiedenen Entspannungsverfahren hat die Frau die Möglichkeit hilfreiche
Techniken zur Entspannung zu erlernen und Kraftquellen zu entdecken, die sie
dann unabhängig im Alltag für sich anwenden kann.
Bei
Bedarf oder speziellen Fragestellungen der gynäkologische
n Psychosomatik kann
eine gynäkologische Beratung oder auch Untersuchung durch eine in der Abteilung
beschäftigte Gynäkologin in Anspruch genommen werden.
Zu
den geschilderten Behandlungsmethoden kommt noch ein individuell angepasstes
physikalisches oder krankengymnastisches Programm zum allgemeinen Wohlbefinden.
Für
Fragen in Bezug auf gesunde Ernährung oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten
steht eine Ernährungswissenschaftlerin als Beraterin zur Verfügung.
Im
Rahmen der Sozialberatung können Fragen der beruflichen Wiedereingliederung,
der beruflichen Neuorientierung, der Nachsorge und anderes mit der Beraterin
geklärt werden.
5. Therapiepläne
in der gynäkologische
n Psychosomatik:
Die
Behandlungsdauer beträgt in der gynäkologische
n Psychosomatik im Regelfall
vier bis sechs Wochen, bei genauer Indikationsstellung ist eine Verlängerung
bzw. eine Verkürzung möglich.
Zum
Therapieplan der ersten Woche gehören im Bereich "Gynäkologische Psychosomatik"
auch biografische Anamnese und Aufnahmeuntersuchung, Begrüßung, Einführung in
die verschiedenen Therapieverfahren, Anfangsvisite der Chefärztin, Erstgespräch
mit der Bewegungs-/Körpertherapeutin. In der Therapiemitte findet ein
Orientierungsgespräch zur Zwischenbilanz statt, das im Bedarfsfall über Änderungen
des Therapieplans führen kann. Am Ende erfolgt ein Abschlussgespräch, bei dem
Ergebnisse und Perspektiven besprochen werden. Weiterhin erfolgt eine
Abschlussvisite der Chefärztin.
6.
Nachsorge
in der gynäkologische
n Psychosomatik:
Um
die Kontinuität der Therapie im Bereich "Gynäkologische Psychosomatik" zu
erreichen, sind wir im Rahmen der Nachsorge bemüht, ambulante Therapiemöglichkeiten
für Frauen, die noch keine ambulante Therapie haben, einzuleiten. Wir bieten
Informationen über Anlaufmöglichkeiten, die sie nach der Entlassung für sich
nutzen können.
Wir
vertreten in der Klinik im Bereich der Psychosomatik einen ganzheitlichen
Therapieansatz, der die Balance von Körper, Seele und sozialer Situation jeder
Einzelnen berücksichtigt. Wenn Sie noch weitere Fragen zur gynäkologische n Psychosomatik haben, schicken Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns einfach an. Wir freuen uns auf Sie.
Mit
den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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